Höhere Berufsbildung: Drei Fragen an ZDH-Präsident Wollseifer

03.07.2017

Die Einführung einer Höheren Berufsbildung ist ein wichtiges Ziel des ZDH. Warum ist das notwendig?


Mit dem Werbefeldzug der Politik für Abitur und Studium in den vergangenen 20 Jahren hat sich die einst positive Sicht auf die duale Ausbildung gewandelt. Im Jahr 2015 wollten 58 Prozent aller Schulabgänger mit Abitur studieren. Dahinter steckt der Irrglaube, dass nur mit einem abgeschlossenen Studium ein sorgenfreies Leben mit angesehener gesellschaftlicher Stellung möglich sei. Das Handwerk legt seit vielen Jahren eine Erfolgsgeschichte hin und profitiert vom Aufschwung am Binnenmarkt. Engagierte Auszubildende, Gesellen und Meister werden dringend gesucht. Um junge Menschen für das Handwerk zu begeistern, müssen wir die berufliche Bildung attraktiver machen, Aus-, Fort- und Weiterbildung im Rahmen einer Höheren Berufsbildung anbieten und eine wirkliche Gleichwertigkeit  zur akademischen Bildung schaffen.


Was soll die künftige Bundesregierung tun?

Die Höhere Berufsbildung gehört ins Berufsbildungsgesetz und in die Handwerksordnung. Nach dem erfolgreichen Hochschulpakt fordern wir nun einen Berufsbildungspakt. Die Politik soll die berufliche Exzellenz mit vergleichbar viel Geld fördern, wie bereits die akademische Exzellenz. Wir brauchen gerade in Deutschland ausgezeichnete Ausbildung in beiden Bereichen. Aus den Bildungszentren sollen Exzellenzzentren werden.


Was würden Sie jungen Schulabgängern gerne sagen?

Das Handwerk ist vielseitig, abwechslungsreich und anspruchsvoll.   Handwerksbetriebe beliefern heute große Konzerne wie BMW oder Airbus. Feinwerkmechaniker arbeiten mit der NASA zusammen. Im Privatkundengeschäft haben junge, moderne Handwerker ebenfalls das Spektrum deutlich erweitert. Die einen verkaufen im Internet konfigurierte und bestellte Holztische. Und Orthopädietechnikermeister wetteifern um die beste High-Tech-Lösung für Mitmenschen mit körperlichen Einschränkungen. Das Handwerk bietet viel Raum für Kreativität und persönliche Entfaltung und ist auch finanziell eine echte Alternative. Bachelorabsolventen und Handwerksmeister verdienen in ihrem Berufsleben annähernd den gleichen Betrag. Darüber hinaus haben Meister im Vergleich zu Akademikern das geringere Risiko arbeitslos zu werden.

Quelle: Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH)